Kürzlich habe ich hier das Enneagramm vorgestellt. Es ist eine Einteilung der Menschen in neun Persönlichkeits-Typen.

Falls du noch nicht weiss, welcher Typ du bist, so kannst du hier einen Test machen.

Eigentlich wollen alle Menschen das gleiche: Sie wollen geliebt und glücklich sein. Jedoch haben sie unterschiedliche Erfahrungen in ihren jungen Jahren und entwickeln daraus verschiedene Strategien, um geliebt und glücklich zu sein. Dieser Prozess läuft unbewusst ab und auch die „gewählte“ Strategie bleibt dem Bewusstsein verborgen. Jeder erlebt die Welt auf seine eigene Weise und sieht sie durch seine eigene Linse.

Durch diese eingeschränkte Sichtweise der Wirklichkeit werden Stärken (Tugend) und Schwächen (Laster) verwechselt. Man glaubt ein bestimmtes Verhalten sei ein Vorteil für einen. Es ist jedoch in Wirklichkeit ein Nachteil. Das bedeutet, ein nachteiliges Verhalten fühlt sich richtig und gut an. Es löst kein schlechtes Gewissen aus und wird deshalb beibehalten und es ergeben sich immer wieder die selben nachteiligen Folgen.

Hier sind die Stärken-Schwächen Verwechslungen für jeden Typ:

Typ 1
1er sind Perfektionisten, sie sehen sich als wertvoll, wenn sie makellos sind. Da dies niemals möglich ist, fühlen sie oft Unmut und Zorn. Sie denken, ihr eigener kritischer Massstab sei eine Stärke. Sie haben kein Gespür für den Wert der Selbstannahme.

Typ 2
2er halten sich vor allem für wertvoll, weil sie durch ihren Einsatz unentbehrlich für andere erscheinen. Sie sind überzeugt, dass ihre Hilfsbereitschaft eine grosse Stärke ist. Sie sehen nicht, dass sie dadurch die anderen von sich abhängig machen und somit auch manipulieren. Sie vernachlässigen ihre eigenen Bedürfnisse und glauben dies sei eine Tugend (Selbstlosigkeit), dabei handelt es sich um ein Laster (Manipulation). Sie verwechseln Selbstsucht mit echter Selbstliebe.

Typ 3
3er sehen sich als wertvolle Menschen, weil sie aggressiv auf die Welt zugehen und Leistungen erbringen, die von anderen als Erfolge honoriert werden. Ihre Blindheit besteht darin, dass sie wirklich meinen, Erfolg und Leistung seien das alleinige Kriterium für den persönlichen Wert eines Menschen. Im Grunde ist jedoch ihre Auffassung von Erfolg keine Tugend sondern ein Laster (Eitelkeit). Sie fühlen sich schuldig, wenn sie Misserfolg haben. In Wirklichkeit ist die Annahme von Versagen und Misserfolg eine Tugend (Demut).

Typ 4
Sie denken ihre Empfindsamkeit sei eine Tugend und halten es für eine Schwäche, ungebildet und ohne feine Manieren zu sein. Sie sehen es als aussergewöhnliche Tugend an, sich für besser als allen anderen zu halten. Dabei handelt es sich jedoch im Grunde um ein Laster (Angeberei). Sie glauben es sei ein Laster, so wie die übrigen Menschen zu sein, dabei kann es die Tugend der unauffälligen Schlichtheit sein.

Typ 5
5er denken, sie seien als Mensch wertvoll, weil sie sich zurückziehen um Weisheit und Einsicht zu erlangen. Sie betrachten es als ihre Hauptstärke, zurückgezogen und mit ihren Gedanken beschäftigt zu sein. Es ist jedoch ein Mangel an Grossmut gegenüber anderen. Ein Austausch mit anderen ist oft produktiver und führt eher zu neuen Einsichten und ist somit eine Stärke.

Typ 6
Damit sie sich als wertvoll erfahren können, meinen sie, alle äusseren Pflichten durch Gehorsam und Gewissenhaftigkeit gegenüber Gesetzen und Vorschriften der Autorität erfüllen zu müssen. Als das eigentliche Laster sehen sie die Übertretung von Gesetzen und Normen. 6er neigen zu Selbstgerechtigkeit. Jedoch ist eine echte Tugend eine engagierte Antwort auf absolute Werte wie Liebe und Erbarmen.

Typ 7
7er sehen in der Traurigkeit und im Pessimismus das grösste Laster, obschon dies eine angemessene Reaktion auf die tatsächlichen Erfahrungen eines Menschen sein kann. Sie halten dauernde Fröhlichkeit für die grösste Stärke. Sie glauben, dass Ernsthaftigkeit ein Laster sei, wenngleich es authentischer Selbstausdruck sein kann, sich so zu geben, wie man wirklich empfindet, und sich dem Leben zu stellen, so wie es ist.

Typ 8
8er haben das Gefühl, dass sie als Menschen wertvoll sind, weil sie stark gegenüber anderen sind. Für sie bedeutet es eine grosse Stärke, im Umgang mit anderen energisch zu sein, sogar wenn es Arroganz einschliesst. Sie halten es daher für einen Mangel, vor anderen Schwäche zu zeigen oder sich in irgendeiner Weise übervorteilen zu lassen, obgleich ein sanftes Wesen ein Zeichen grosser innerer Stärke sein kann.

Typ 9
9er suchen Lebensfülle zu erlangen durch Ruhe und Frieden, indem sie sich von der Aussenwelt zurückziehen. Sie sehen in ihrem Rückzug eine Stärke. In Wirklichkeit praktizieren sie damit ein Laster (Trägheit). Sie denken Kampf gegen Ungerechtigkeiten sei ein Laster (Anmassung). Sie sehen nicht, dass sie selbst und andere dazu berufen sind, zum Wohl der menschlichen Gesellschaft beizutragen.

Zusammenfassung
Es gibt jeweils einen Übergang vom einen Extremen ins andere. ZB.

Arroganz … Unterwürfigkeit (dazwischen: Sanftmütigkeit)
Selbstlosigkeit … Selbstsucht (dazwischen: echte Selbstliebe)
Pessimismus … Optimismus (dazwischen: Realismus)

Das „Richtige“ ist jeweils irgendwo dazwischen. Jedoch sieht jeder Typ die Wirklichkeit auf seine Weise etwas verzerrt und schätzt sein eigenes Verhalten falsch ein.

1er denken sie müssten perfekter sein, sie sollten sich aber selbst mehr annehmen.
Ein 2er denkt er müsse den anderen mehr helfen, dabei sollte er mehr sich selbst helfen.
Ein 3er denkt er müsse aggressiver sein und mehr Leistung erbringen, er sollte aber lernen, demütig auch Misserfolge zu akzeptieren.
4er denken sie müssten spezieller und anders als die anderen sein, dabei sollten sie sich mehr gestatten gewöhnlich zu dürfen.
Ein 5er denkt er müsse sich mehr zurückziehen zum Wissen erlangen, er sollte aber mehr erleben und sich mit anderen austauschen.
6er denken sie müssten sich den Autoritäten mehr unterwerfen, dabei sollten sie mehr selber mit Liebe nachdenken und entscheiden.
7er denken sie müssten fröhlicher und optimistischer sein, dabei sollten sie realistischer sein.
Ein 8er denkt er müsse stärker sein, er sollte aber mehr Schwäche zeigen und Mitgefühl für andere entwickeln.
9er denken, sie müssten sich mehr zurückziehen, um Ruhe und Frieden zu erzeugen, dabei sollten sie sich für die Gerechtigkeit engagieren.

Mehr über das Enneagramm:
Einführung
Verwechslung von Stärke und Schwäche
Hilfe durch einen guten Freund
Was mir das Enneagramm empfiehlt
Das Enneagramm meiner Freunde
Wachstum durch Umdenken

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